Gute Agentur. Gute Zusammenarbeit.

Woran merke ich als Künstler, dass ich die richtige Agentur gefunden habe?

Ich finde die Bezeichnung aus dem englischsprachigen Raum beschreibt einen grundlegenden Aspekt ganz treffend. Dort spricht man von ‚representation‘, wenn von Management oder Agentur die Rede ist. Die eigentliche Frage lautet: Wem vertraue ich so sehr, dass diese Person mich nach außen repräsentiert?

Damit geht es für mich weniger um die Frage, was eine gute Agentur ausmacht, sondern vielmehr darum, was die passende Agentur ist. In jeder Zusammenarbeit geht es um die Erwartungen auf beiden Seiten: Was suche ich, als Künstler:in? Was erwarte ich von meiner Agentin? Genau das ist auch meine erste Frage, wenn sich jemand bei mir bewirbt. 

Agenturbetreuung bedeutet für mich individuelle Betreuung. Mich interessiert zuerst: Was wird eigentlich gebraucht? Erst dann kann ich ehrlich sagen: Dafür bin ich die Richtige.

Wie schafft man eine gute Zusammenarbeit?

Ich denke drei Dinge sind entscheidend: Vertrauen, Kommunikation und Eigenverantwortung. 

Grundlegend ist beiderseitiges Vertrauen, die Chemie muss stimmen. Wie bei allen tragfähigen Beziehungen, geht es um den persönlichen Draht. 

Genauso wichtig ist eine offene und kontinuierliche Kommunikation, die sicherstellt, dass beide in die gleiche Richtung schauen. Unsere Branche ist schnelllebig, Projekte entwickeln sich oft kurzfristig und eine funktionierende Zusammenarbeit lebt von laufenden Updates. Umso wichtiger ist es, sich regelmäßig abzugleichen.

Als Agentur übernehme ich zwar, im Rahmen des Agenturvertrages, Agenden und somit Verantwortung. Die Eigenverantwortung meiner Klientinnen und Klienten bleibt davon jedoch unberührt. Selbst wenn es unterschiedliche Ansichten gibt, tragen wir als Agentur die Entscheidung unserer Künstler mit.

Ich sehe meine Aufgabe primär darin, alle Informationen zu sammeln, Zusammenhänge sichtbar zu machen und möglichst neutral einen Überblick über die Situation zu schaffen. Entscheidungen werden nicht von mir getroffen, sie entwickeln sich meist im Gespräch.

Und damit schließt sich wieder der Kreis zu Kommunikation und Vertrauen.

Meine Rolle im Team

Agenturbetreuung bedeutet Beziehungsaufbau.

Ich stelle natürlich meine Erfahrung zur Verfügung – aber auch meine Aufmerksamkeit, meine Präsenz und meine ehrliche Einschätzung. Agenturbetreuung lebt davon, Zeit für den Austausch zu haben, Entwicklungen wahrzunehmen, Prozesse zu reflektieren und gerade in unsicheren Phasen ein verlässliches Gegenüber zu bleiben.

Vielleicht lässt sich eine gelungene Zusammenarbeit am Ende ganz einfach zusammenfassen:

Man muss einfach Bock drauf haben, das Ding gemeinsam zu rocken.

#mehralsverhandelt – was Agenturbetreuung für mich bedeutet

Im Zuge der Social-Media-Kampagne #mehralsverhandelt und #wirsindderverband des Verbands der Agenturen wurde uns Agenturen ein Fragenkatalog zugestellt. Wir sollten uns ein, zwei Fragen aussuchen und sie im Rahmen von kurzen Videos beantworten.

Darunter Fragen wie: Was mach einen guten Agent in aus?, Warum sind Agenturen wichtig in der Branche? Wo endet deine Verantwortung für deine Klient:innen – und wo beginnt ihre Eigenverantwortung? Wann ist dir klar geworden, dass Agenturarbeit mehr ist als „verhandeln“? Was bedeutet Loyalität für dich – gegenüber Klient:innen, Kolleg:innen, Produzent:innen? Wie siehst du die Zukunft des Berufsbilds Agent:in in Zeiten von KI, Selftapes und Social Media?

Es war ein willkommener Anlass, das eigene Agentendasein etwas zu reflektieren – und so entstanden nicht nur ein paar Videos, sondern auch eine kleine Blogserie, in der ich die Fragen zum Anlass nehme, über Agenturarbeit nachzudenken.

Ein Umfeld schaffen, in dem Karriere möglich wird

Manche glauben, wir sind Arbeitsvermittler, manche denken wir verhandeln Verträge. Ja das tun wir – aber eben nicht nur. Diese Reduktion auf Vermittlung und Verhandlung wird der Arbeit einer Agentur allerdings nicht gerecht. Vieles von dem, was wir tun, passiert lange bevor ein Vertrag auf dem Tisch liegt – und natürlich auch noch lange danach.

Meine Sicht auf Agenturarbeit wurde stark dadurch geprägt, dass ich nicht direkt in einer Agentur begonnen habe. Ich habe zuvor in Theatern und Kulturinstitutionen gearbeitet und konnte so Künstlerinnen und Künstler unmittelbar im Produktionsalltag erleben.

Mit den Künstlern in den Produktionen zu arbeiten und dabei ganz unmittelbar zu erleben, wie es ihnen geht, welche Themen ihnen wichtig sind, wo es hakt, welche Dynamiken entstehen – hat wahrscheinlich meine Form der Agenturbetreuung schlussendlich sehr beeinflusst. Die grundlegende Frage war und ist für mich immer: 

Was braucht ein kreativer Mensch, um gut, frei und sicher arbeiten, ‚sein Ding‘, machen zu können?

Sicherheit & Stabilität

Eine Agentur kann Stabilität und somit Sicherheit geben. In unseren aktuell recht holprigen und herausfordernden Zeiten scheint das wichtiger denn je: ein sicheres Umfeld, eine Bindung auf die man sich verlassen kann – „In guten wie in schlechten Zeiten„.

Der professionelle Blick von außen ist unerlässlich. Jemand der Überblick und Ruhe behält und unbedingte loyal ist. Das ist gerade in den seit längerem recht stürmischen Zeiten besonders wichtig – und wenn alles toll läuft, hat man jemand, der genau weiß, wie der Weg dahin war und mit dem man dann auch entsprechend feiern kann.

Gerade denjenigen, die neu in den Markt einsteigen, kann ich nur wünschen Unterstützung zu haben. Man kommt mit viel Energie und Ambition aus der Ausbildung. Es ist um so vieles leichter, wenn man die grundlegenden Spielregeln kennt. Wie funktioniert das hier? Was brauche ich? Vieles an Stolpern und an Frust passiert auf Grund von ungenügendem Wissen – und ist vermeidbar. 

Bei all jenen, die schon länger dabei sind, hat sich gezeigt, dass es im Laufe des Karrierewegs, Wendepunkte oder Ereignisse, geben kann, in denen eine starke Begleitung an der Seite einfach hilfreich ist.

Mäandernd oder stringent – jeder Karriereweg ist anders

Ein künstlerischer Karriereweg kann sich so unterschiedlich entwickeln, wie wir Menschen verschieden sind und die Zeiten turbulent. Das macht die Agenturarbeit auch so spannend. Im Idealfall arbeitet man mit seinen Schauspielerinnen und Schauspielern über Jahre zusammen. Dadurch bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was passt, was sinnvoll wäre und wie man mit Unvorhergesehenem am besten umgeht.

Ein Fazit

Agenturarbeit bedeutet vielmehr Gespräche zu führen, Entwicklungen mitzudenken, Konsequenzen abzuschätzen, Material zu sichten, Strategien zu entwickeln, manchmal zu bremsen, manchmal zu ermutigen, Kontakte zu pflegen und, ganz wichtig, den Überblick und einen kühlen Kopf zu behalten.

Letztlich bedeutet Agenturarbeit, unseren Klientinnen und Klienten auf diesem schwer vorhersagbaren Weg, den Rücken freizuhalten und den Rücken zu stärken, damit sie sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können: ihre Kunst.


Im nächsten Teil dieser Blogserie geht es um die Zusammenarbeit zwischen Künstlerin bzw. Künstler und Agentur. Warum sie weit mehr ist als ein Vertragsverhältnis, welche Erwartungen beide Seiten mitbringen und weshalb Vertrauen die Grundlage jeder langfristigen Zusammenarbeit bildet.

Über das Portraitfotoshooting

Drei Erkenntnisse aus der Praxis

Wenn man Schauspielerinnen und Schauspieler zum Thema ‚Fotoshooting‘ coacht, dann ist das eigene Fotoshooting nochmal eine spezielle Herausforderung bzw. auch eine gute Gelegenheit, um zu überprüfen, ob das, was man zu vermitteln versucht tatsächlich so funktioniert – und wie sie sich das dann in der Praxis anfühlt.

Bei mir stand also dieses Jahr selbst ein Fotoshootings an und ich durfte meine Tipps für andere nun am eigenen Leib überprüfen. Hier meine Essenz zusammengefasst:

  1. Moods: Ich habe viel Zeit mit dem Sammeln von Moods verbracht – vielleicht sogar sehr lange, aber ich habe diesen Prozess gebraucht: es ist gut zu wissen, was man will – oder eben nicht – und sich einzustimmen. Das schafft Klarheit und hilft bei der Kommunikation mit dem Team.
  2. Apropos Team: Als ich mit ‘mein’ Team gefunden hatte, war nicht nur die Entspannung sofort spürbar – auch Vorfreude hat sich eingestellt. Ich hatte beide vorab getroffen und den Großteil vorbesprochen. Am Shooting-Tag selbst lag die Kleidung bereit und die Sujets mussten nur mehr ‚abgearbeitet‘ werden. Es war ein intensiver Shooting-Tag, aber immer entspannt und im Flow – und er ließ, durch die gute Vorbereitung, auch Raum für Spontanität.
  3. Verwendungszweck: Wir wussten alle drei ganz klar, was gebraucht wird. Die Websiten gaben die Formate und die Themen der Gestaltung vor – das machte das Navigieren durch den Shooting-Tag flüssig. Meist zeigt sich schlechte Planung ja erst im Nachhinein, wenn man drauf kommt, etwas vergessen zu haben. Ich hatte alles und noch viel mehr…

Fazit: Ein Fotoshooting soll keine Verpflichtung sein, sondern Freude machen. Jene Vorbereitung, die ich immer ‚predige‘ war dazu für mich der Schlüssel: Der Prozess war konzentriert und relaxed zugleich und die Pizzaorgie danach der perfekte Abschluss.

GROSSEN DANK AN: Peter Schindler (Styling) und Klaus Vyhnalek (Fotos). Wir alle drei sind mit dem Ergebnis rundum zufrieden. Die Selektion von Klaus findet sich auf seiner Website – ich fühle mich sehr geehrt!

Das Theater und die Schauspielkarriere aus der Sicht einer Künstleragentin. Meine Gedanken zur Branche.

Ein Podcast blickt hinter die Kulissen

Unter dem Titel „Katzen & Cashcows“ nimmt die Dramaturgin Lisanne Wiegand die Backstage-Berufe im Musical Business in den Fokus ihres Podcasts. In Interviews gibt sie den Kreativen des deutschsprachigen Raums den Raum, ihre Perspektiven und Gedanken zum Genre zu teilen. Mit der Schauspielerin und Videographin Elisabeth Köstner diskutiert sie unter dem Titel „On Stage – Off Stage“ spannende Themen wie z.B. die Frauenquote im Musical und künstlerische Freiheit vs. Werktreue.

Quatschen über die Theaterbranche

Im Februar trat Lisanne dann an mich heran, ob ich etwas über meinen Werdegang und die Arbeit als Agentin erzählen wolle. Das war für mich selbst eine gute Gelegenheit zur Selbstreflexion und Anlass die Berufsjahre inhaltlich Revue passieren zu lassen.

Es wurde dann weniger ein Gespräch nur über die Musicalbranche, sondern über Theater generell – über wichtige Menschen am Lebensweg, persönliche Landmarks, die Haltung, eigene Werte und Zuschreibungen, von denen man sich wünscht, dass sie mehr in den Hintergrund treten mögen.

Danke, für die Einladung zum Interview!

https://podcasts.apple.com/at/podcast/katzen-und-cashcows-der-musical-podcast/id1493769471?i=1000511236770

Die Dos und Don’ts für das Bewerbungsschreiben

Im letzten Blogartikel war ja schon vom Begleitschreiben die Rede… Und just am nächsten Tag flatterte wieder ein Bewerbungsmail für die Agenturvertretung herein, das die Anforderungen gleich in mehreren Punkten nicht erfüllte.

Was macht also ein gutes Anschreiben, egal ob Email oder Brief, aus? Gibt es formale Vorschriften, was muss es enthalten und was sollte man unbedingt weglassen?

Wer meint, das wäre egal, weil der Lebenslauf und das Foto ja für sich sprächen, der irrt. Erfüllt mein Mail an einen Regisseur, Intendant oder Caster gewisse Kriterien nicht, ist das Risiko hoch, dass mein toller CV mit meinem hochprofessionellem Portrait gar nicht geöffnet wird – einer der Nachteile des digitalen Zeitalters.

Hier daher die wichtigsten No-Gos für das Bewerbungsschreiben:

  • Keine oder unpersönliche Anrede. In Zeiten des World Wide Web gibt es keine Entschuldigung, einen Namen nicht recherchiert zu haben. Der Eindruck der vermittelt wird ist klar: ich habe wahllos Bewerbungen verschickt.
  • Zu lang. Es mag zwar für mich persönlich wichtig sein, schon als kleine Ballettmaus gewusst zu haben, dass ich auf die Bühne will – die/den CasterIn interessiert das herzlich wenig.
  • Day Jobs. Ja, der Anfang als SchauspielerIn ist schwer und jeder weiß, dass man sich zu Beginn mit anderen Jobs über Wasser halten muss. Diese Jobs haben aber weder auf dem CV noch in einem Bewerbungsbrief für Bühne und Film etwas zu suchen.
  • Superlative, Prahlereien und Sich-mit-fremden-Federn-Schmücken, sollte man tunlichst vermeiden.

Vielmehr sollte ich kurz und sympathisch meinem Gegenüber die Chance geben, mich kennen zu lernen. Meine Persönlichkeit steht im Vordergrund. Der/die LeserIn soll eine Idee davon bekommen, wie eine Zusammenarbeit mit mir wäre. Da ein Großteil der Bewerbungen diese simplen Kriterien nicht erfüllt, habe ich bereits mit einem gut geschriebenen Mail die Chance aus der Masse herauszustechen!

Egal ob in einem Brief/Mail, einem Telefonanruf, einem Social-Media-Posting oder bei einer Audition – es geht immer darum eine Beziehung aufzubauen. Dessen sollte man sich immer bewusst sein!

Siehe dazu auch: Die größten Fehler bei Lebenslauf, CV oder Resume


Brauchst Du Unterstützung bei Bewerbungen für Agenturen, Theater oder Caster:innen? 

Melde Dich gerne für ein unverbindliches Telefonat: